Debatte

zwischen

Jean Pisani-Ferry
Berater des französischen Präsidenten, Leiter des Think Tanks Bruegel Instituts,

und Jörg Krämer
Chef-Volkswirt der Commerzbank AG

über "Notwendige Reformen zur Eurorettung”
Kooperationsveranstaltung mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft

Mittwoch, 12. Dezember, 19.00 Uhr
im Renate von Metzler-Saal (Raum 1.801) Casino



Erläuterungen zum Thema
Die Maastricht-Verträge legen ein Haushaltsdefizit in den EU-Mitgliedsstaaten von unter 3 % und eine Verschuldung unterhalb von 60 % des BIP fest. Davon sind wir weit entfernt. Die Länder der Eurozone übersteigen ihre Verschuldung inzwischen um durchschnittlich 90 % und die Haushaltsdefizite sind i.d.R. höher als 4 %. Die Verschuldungsquote dürfte somit bis 2015 die Marke von 100 % erreichen.
Die Verschuldungskrise ist zu einer Vertrauenskrise insbesondere unter den Banken geworden, was dazu führte, dass die Europäische Zentralbank unbegrenzt Staatspapiere aufkauft. Dies wurde in Deutschland heftig kritisiert, was nicht zuletzt den Chefökonom der EZB,
Jürgen Stark, zum Rücktritt bewog. Im Herzen der Eurozone entwickelt sich die wirtschaftliche Situation in Deutschland und Frankreich völlig konträr. Die Reformen sowie Haushaltskonsolidierung tragen hierzulande erste Früchte, in Frankreich bleiben die notwendigen Strukturreformen aus. Wie müssen die Reformen angepackt werden, um ein Auseinanderbrechen der Eurozone zu verhindern?
Die Referenten
Jean Pisany-Ferry (*28. Juli 1952 in Boulogne-Billancourt, Frankreich) zählt zu den einflussreichsten Makro-Ökonomen Europas. Der 58-Jährige leitet den Brüsseler Think Tank Bruegel, das von 17 Staaten und vielen Firmen finanziell unterstützt wird und
sich der Verbesserung der EU- Wirtschaftpolitik widmet. Er ist Professor an der Universität Paris-Dauphine und Mitglied der
Group of Economic Policy Analysis (GEPA) der Europäischen Kommission und gehört dem wirtschaftspolitischen Beraterstab des
französischen Präsidenten an.

Jörg Krämer studierte Volkswirtschaftslehre an den Universitäten in Bonn und Münster. 1992 wurde er für das Kieler Institut für
Weltwirtschaft tätig und promovierte bei Horst Siebert. Ab 1996 war er für die Investmentbank Merrill Lynch und ab 1997 für das
Investmentunternehmen Invesco tätig, ab 2000 Chefvolkswirt bei Invesco. 2005 wurde Krämer Chefvolkswirt bei der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG. 2006 wechselte Krämer als Chefvolkswirt zur Commerzbank AG. Mit seinem Kommentar zu den Konjunkturprogrammen „Es ist ein Trugschluss zu glauben, man könne den Konsum von Millionen Menschen steuern“ stieß er 2008 auf den Widerstand der Wirtschaftspolitik. In der Debatte über die Staatschuldenkrise, den Kauf von Staatsanleihen durch die EZB und
die Target2-Salden bezog er eindeutig Stellung und unterstützte die Position der Deutschen Bundesbank.

Im Anschluss an den Vortrag gibt es bei einem kleinen Umtrunk mit Buffet Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch.